| Gewässerschutz in Darmstadt ein Problem? |
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Darmstadt ist aber auch eine beschauliche kleine Großstadt in Südhessen, denn so sehr auch alle diese Institutionen hier konzentriert sind und den Rheinmainraum bereichern und von ihm profitieren, so sehr ist die Mentalität der verantwortlichen lokalen Politiker und Presseorgane in Darmstadt einer eigenen Mischung aus Provinzialität und der Abgrenzung gegenüber den Veränderungen in der Welt verpflichtet. Veränderungen sind für den Darmstädter "Heiner", wie man sich hier selbst liebevoll nennt, nur sehr schwer zu verdauen und damit so lange als möglich zu verhindern. Der Kult-Heiner die Figur des „Datterich“ ist charakterisiert als der "typische" Darmstädter: Vorlaut, schlitzohrig, immer auf seinen Vorteil bedacht, geizig. Die tiefere Ursache liegt wohl in der Geschichte der Stadt und der darauf aufbauenden lokalen Mentalität ihrer Bewohner. Darmstadt, obwohl schon 1330 zur Stadt erhoben, behielt weitere 300 Jahre seinen dörflichen Charakter ("Ackerbürgerstadt"). Als kleine landesherrliche Stadt führte es ein kärgliches Dasein im Schatten seiner mächtigen Landgrafen, die letztlich mit den meisten Herrscherhäusern Europas verwandtschaftliche Beziehungen pflegten. Es konnte aus diesem Grund in Darmstadt nie der stolze Geist eines Bürgersinns entstehen, wie er zum Beispiel in den Hansestädten zu finden war. Darmstadt hat auch die stürmische Entwicklung anderer Städte in dieser Zeit nicht mitgemacht. Durch die Trennung des Hessenlandes in Süd und Nord, als Folge eines Bruderstreits und des 30-jährigen Krieges wurde aus der kleinen unbedeutenden Stadt Darmstadt dann doch noch, für alle überraschend, die Residenz des Landgrafen Georg I. (1657). Aus einer unscheinbaren Kleinstadt wurde quasi gegen ihren Willen und in der materiellen und geistigen Abhängigkeit seiner mächtigen Herrscher eine Residenzstadt (nach Karl Ackermann 1971). Es ist deshalb auch kein Wunder, dass bis in unsere Zeit in Darmstadt manche Themen nur sehr zögerlich angenommen werden. Leider gilt dies auch für Themen wie den tätigen Gewässerschutz, d.h. das Umdenken bzgl. des Umgangs mit den Wasserressourcen. Wie man in frühreren Zeiten auf die Entscheidung des Landgrafen schaute, so wartet man heute auf eine Entscheidung des Regierungspräsidenten. Ohne eine Entscheidung von ihm, muss man nicht handeln. In Städten mit starkem Bürgersinn und einer daraus resultierenden Bereitschaft zur Eigenverantwortung, wie z.B. der Stadt Zürich, ist man Städten wie Darmstadt meilenweit voraus. Was die Landgrafen zusammen mit Vätern und Großvätern in ihrer Zeit an Fehlern gemacht haben, soll von den Söhnen und Enkeln nicht in Frage gestellt werden.
Im Moment verschwindet das klare Wasser des Darmstädter Stadtbaches noch ohne Sinn und Zweck im Abwasserkanal und fließt folgerichtig am Ende des Kanals in die Kläranlage. Neben diesem ökologischen und technischen Unsinn verursacht das Wasser dieses Baches für die Stadt Darmstadt jährlich Kosten von durchschnittlich ca. 3 Mio Euro (Gebührenzähler Darmbach e.V.). Jeder eingeleitete Liter Bachwasser wird von einem Messgerät erfasst und die Stadt muss als 'Verursacher' aus dem städtischen Haushalt für die Klärung dieses 'Abwassers' die normale Abwassergebühr bezahlen. Juristisch klar, aber fiskalisch sehr fragwürdig, auch weil als versteckte Subvention des Abwasserpreises zu sehen. Auch das häufig von Projektgegnern verwendete Argument, dass das Geld (3 Mio €/Jahr) genau genommen bei der Stadt Darmstadt verbliebe und somit die sog. Ersparnis eine Milchmädchenrechnung darstelle ("linke Tasche rechte Tasche"-Prinzip) stellt sich bei näherer Betrachtung als ein Irrtum heraus. Weiter zum Gewässerschutzprojekt 'Darmbach-Offenlegung' |


Dr. Peter-J Kramer





